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Erdkinder-Seminar: „Jugendliche lernen eher durch praktische Erfahrungen, also von der Praxis zur Theorie.“ – Ela Eckert

Wie kann die Montessori-Pädagogik in der Sekundarstufe gelebt werden? Wie kann ich ein entsprechendes Konzept umsetzen? Wie unterscheidet sich das Konzept in der Sekundarstufe 1 und in der Sekundarstufe 2? Das „Erkinder-Seminar“ legt den Fokus auf die Erziehung und Bildung von Jugendlichen im Alter zwischen 12 und 18 Jahren und vermittelt die theoretischen Ansätze ganz praxisnah. Der Kurs startet demnächst. Eine Online-Infoveranstaltung findet am 05.12., 19 Uhr, statt. Anmeldungen bitte an: dmg@deutsche-montessori-gesellschaft.de

Alle Interessierten sind herzlich zur Teilnahme eingeladen. Alle Infos dazu findest Du auf der Weiterbildungs-Seite. Der Kurs ist ein Angebot der Deutschen Montessori Gesellschaft in Kooperation mit der Montessori Stiftung Berlin. Im Interview haben wir mit Dr. Ela Eckert, Erdkinderplan-Expertin und Teil des Dozent*innen-Teams, über das Seminar gesprochen.

Jeder hat eine Vorstellung von seiner eigenen Zeit an der Schule in der Sekundarstufe. Wie unterscheidet sich das Konzept von dem bekannten Unterricht in der Sekundarstufe?

„In der Montessori-Pädagogik stehen immer die Entwicklungsbedürfnisse der Kinder und Jugendlichen – je nach Altersbereich – im Fokus. Jugendliche – so Montessoris Beobachtung – befinden sich in einer umfassenden Umbruchphase, sowohl physisch als auch geistig-emotional. Vor allem in der frühen Adoleszenz lernen sie eher durch praktische Erfahrungen, also von der Praxis zur Theorie. In der traditionellen Sekundarschule wird dagegen oft erwartet, dass die Jugendlichen fast ausschließlich von der Theorie ausgehend lernen. Maria Montessoris Ansatz für Jugendliche ist ein Setting, in dem Jugendliche Erfahrungen mit den Grundstrukturen der Gesellschaft machen können, und das geht hervorragend auf einer Farm bzw. auf einem Bauernhof. Dieses Arrangement ermöglicht unterschiedlichste Erfahrungen in vielen Bereichen – vom Pflanzenanbau über Tierhaltung, zur Erstellung von Business-Plänen und zum Umgang mit und der Wartung von Werkzeugen und technischen Geräten. Die Jugendlichen können auf viele Weise selbst aktiv werden, in kleinen Teams praktisch arbeiten, Entscheidungen zur Erweiterung der Farm treffen, Dinge selbst verwalten. Durch diese Arbeit und die Auseinandersetzung damit lernen sie praktisch. Sie merken schnell, dass dazu eine Menge an theoretischem Hintergrundwissen nötig ist, dass sie eventuell Expert*innen hinzuziehen müssen, sie aber auch Geld generieren, das dann in weitere Ausbauvorhaben investiert werden kann. Solche Zusammenhänge möchten die Jugendlichen ergründen und so gut wie möglich umsetzen.“

„Maria Montessoris Ansatz für Jugendliche ist ein Setting, in dem Jugendliche Erfahrungen mit den Grundstrukturen der Gesellschaft machen können.“

Im Rückblick auf die eigene Schulzeit ist das sehr nachvollziehbar. Wie ist es mit Schulen, die aufgrund ihres Schulgebäudes oder der urbanen Umgebung wenig Möglichkeiten haben, eine Art Bauernhof zu nutzen und zu gestalten?

„Es ist eine zusätzliche Ausbildung, die auf eine pädagogische Grundausbildung aufbaut. Wir sprechen im Erdkinder-Seminar über den authentischen Ansatz des Konzepts. In der Praxis sind es zunächst oft kleine Schritte, die man gehen kann. Wenn man das Ideal nicht erreicht, können dennoch wichtige Fortschritte und Entwicklungen für die Jugendlichen entstehen. In Göttingen gibt es eine Montessori-Schule, die in einem ganz traditionellen Schulgebäude untergebracht ist. Dort hat man sehr genau überlegt, wie man das Konzept für die Jugendlichen an diesem Standort umsetzen kann. Es hat damit angefangen, dass die Jugendlichen ihre Etage selbst sauber halten. Das Geld, dass sie dafür erhalten – das sonst für eine Reinigungsfirma ausgegeben werden würde – konnten sie investieren, um andere Dinge zu erreichen. Sie haben eine eigene Küche eingerichtet, um ihre Mahlzeiten mittags selbst zu bereiten. Später pachteten sie eine Obstbaumwiese, um Obst anzupflanzen, zu ernten und zu vermarkten. Inzwischen besitzen sie eine Imkerei, haben praktisch und theoretisch gelernt, was zur Bienenzucht alles dazu gehört und wie sich der Honig gut verkaufen lässt. So haben sie nach und nach verschiedene Bereiche, die zum Erkinderplan gehören, mit ihren Möglichkeiten erfüllt – obwohl sie den Zugang zu einer Farm, so wie es eigentlich gedacht ist, nicht haben.“

In den letzten Jahren wurden bereits Erdkinder-Seminare angeboten. Was sind die Erfahrungen aus den letzten Seminaren und was hat sich in der Gestaltung vielleicht auch geändert?

„Das Erdkinder-Seminar umfasste bisher sechs Module. Wir haben von den Teilnehmenden die Rückmeldung erhalten, dass die Module für die praktische Umsetzung nicht ausreichend sind. Darum haben wir die Module auf 12 verdoppelt und können so besser auf die Bedürfnisse der Teilnehmenden eingehen. Wir können die Inhalte dadurch viel differenzierter vermitteln. Die Anzahl der Hospitationen haben wir ebenfalls erweitert. Ein großer Vorteil ist, dass inzwischen mehr Standorte mit dem Konzept Erdkinderplan arbeiten. Die Teilnehmenden haben dadurch viel bessere Möglichkeiten, Details kennenzulernen und von den bisherigen Erfahrungen zu profitieren.“

„Durch die Verdopplung der Anzahl der Module können wir die Inhalte viel differenzierter vermitteln.“

Welche Dozent*innen mit welchen Hintergründen können die Teilnehmer*innen erwarten?

„Mit Timo Nadolny, dem Leiter der Jugendschule, Annika Albrecht und mir sind wir ein erfahrenes Dozenten-Team, das in alle wichtigen Aspekte des Erdkinder-Konzepts einführt. Für mehrere Module haben wir Expert*innen gewinnen können, die an verschiedenen Erdkinder-Standorten aktiv sind und ebenfalls langjährige Erfahrungen zu unterschiedlichen Aspekten einbringen. So wird Roman Klune vom Montessori Campus in Wien in einem Modul präsent sein. Er hat mehr als zwölf Jahre Erfahrung in der Umsetzung des Erdkinderplans in Wien und wird wertvolle Aspekte einbringen. Ein Vorteil besteht auch darin, dass unser Erdkinder Seminar auf dem Areal der Jugendschule Strausberg stattfindet. Man erhält schon dadurch einen sehr authentischen Eindruck in eine Umsetzung, die dicht an Maria Montessoris Empfehlungen liegt.“

Welchen Stellenwert nimmt der Bereich der Jugendlichen im Alter von 16 bis 18 Jahren ein?

„Dieser Altersbereich der älteren Jugendlichen kam in den Jahren zu kurz. Daher wird es jetzt ein Modul für die Umsetzung des Erdkinderplan in der Sekundarstufe 2 geben. Dafür haben wir ebenfalls eine Montessori-Pädagogin vom Montessori Campus Wien gewinnen können, die speziell ihre Erfahrungen der Montessori-Arbeit mit Jugendlichen zwischen 16 und 18 Jahren mit den Teilnehmenden teilen wird.“

Melde Dich jetzt für die Online-Infoveranstaltung oder direkt für das Erdkinderseminar an!
Schreibe dafür eine E-Mail an: dmg@deutsche-montessori-gesellschaft.de

Alle Informationen findest Du auf der Seite der Montessori Bildung gGmbH.